ASB Magazin
Dezember 2024
10/16
© Christoph Winter

Vorurteile abbauen,  Chancen nutzen
Die Pflege ist ein Beruf mit Zukunft  im ASB – auch für Männer

Leises Stimmengewirr dringt aus dem Gemeinschaftsraum des ASB-Seniorenzentrums „Am Park“ in Coburg. An einem langen Tisch sitzen Seniorinnen und Senioren, umgeben von buntem Bastelmaterial: kleine Holzfiguren, Kerzen und Töpfe mit frischer Farbe. Während draußen die bunten Blätter von den Bäumen fallen, wird drinnen kreativ gearbeitet. Pavlo, Auszubildender in der Altenpflege, sitzt mittendrin, einen Pinsel in der Hand. Vorsichtig tupft er Farbe auf eine kleine Holzschnitzerei. 

Pavlo kommt aus der Ukraine. Mit seiner Frau und drei Kindern ist er vor Kurzem vor dem Krieg dort geflohen. In Deutschland möchte sich der ehemalige Sportlehrer ein neues Leben aufbauen und hat sich bewusst für die Pflege entschieden – ein Berufsfeld, das früher nicht als „männlich“ galt, heute aber aufgrund des Fachkräftemangels auch für Männer immer attraktiver wird. „Es gibt viele Möglichkeiten und Ausrichtungen, in denen man später arbeiten kann“, sagt der 35-Jährige. 

Pflege als attraktive Zukunftsperspektive
Der demografische Wandel hat die Pflegebranche in Deutschland in den letzten Jahren in eine Krise gestürzt. Bundesweit fehlen Zehntausende Pflegekräfte, die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig. Die ambulante, teilstationäre und stationäre Pflege sehen sich nicht nur mit einem akuten Mangel an Pflegekräften, sondern auch mit einem steigenden Pflegebedarf konfrontiert. Dieser Fachkräftemangel macht sich auch bei den fehlenden Auszubildenden bemerkbar. „Für das neue Ausbildungsjahr im September hatten wir keine einzige deutsche Bewerbung. Das gab es in den letzten 25 Jahren nicht“, erklärt Thomas Schwesinger, Geschäftsführer des ASB Coburg. „Wir müssen das Berufsfeld für alle zugänglicher machen – auch für Männer und Menschen mit Migrationshintergrund.“

Auch Abubakr hat im September seine Pflegeausbildung im ambulanten Pflegebereich des ASB Coburg begonnen. Der 19-Jährige kommt aus Marokko und lebt erst seit Kurzem in Deutschland. In seiner Heimat hat er bereits Deutsch gelernt und nach dem Abitur ein Praktikum in einem Krankenhaus absolviert. „Am Anfang war es sehr schwer für mich“, erzählt Abubakr. Die Arbeit in der Pflege findet er gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr abwechslungsreich. „Auch wenn ich mal etwas nicht verstehe, ist das nicht schlimm, aber Einfühlungsvermögen ist immer wichtig“, weiß der junge Mann.  

Für die Bewohner:innen in den ASB-Einrichtungen spielt es keine Rolle, woher die Auszubildenden kommen. Vielmehr wird geholfen, wenn es mal sprachliche Probleme gibt und der eine oder andere Begriff nicht verstanden wird. Gleichzeitig ist das Interesse an den Herkunftsländern und dem kulturellen Hintergrund groß. Da werde viel nachgefragt, erzählen die Pflegekräfte des ASB Coburg. Die Mitarbeitenden gehen offen mit dem Thema ausländische Pflegekräfte um und befürworten die Einstellung junger Menschen mit Migrationshintergrund, da es die Kultur bereichere. 

Neue Chancen durch Vielfalt
Nurlana (20) lebte bereits als Teenager in Deutschland, bis sie mit ihrer Familie überraschend wieder in ihre Heimat nach Aserbaidschan musste. Schon als 14-Jährige wusste sie, dass sie einmal Gesundheits- und Krankenpflegerin oder medizinische Fachangestellte werden wollte. Jetzt, nach einer anderthalbjährigen Auseinandersetzung mit den Behörden, konnte sie ihren Traum endlich verwirklichen. „Es war ein langer Weg, aber wir sind froh, dass Nurlana bei uns ihre Ausbildung beginnen kann“, erzählt ASB-Geschäftsführer Schwesinger. 

Der Fachkräftemangel in der Pflegebranche hat nicht nur Herausforderungen mit sich gebracht, sondern auch neue Chancen eröffnet – besonders für junge Menschen mit Migrations­hintergrund, die bereit sind, diese Lücke zu füllen. Für den ASB Coburg und viele andere Pflegeeinrichtungen sind diese jungen Menschen nicht nur eine Antwort auf den Mangel, sondern auch eine wertvolle Bereicherung für das gesamte Team.

Die Zukunft des Pflegeberufs wird zunehmend von Vielfalt geprägt – und junge Männer wie Pavlo und Abubakr zeigen, dass die Pflege längst kein reiner Frauenberuf mehr ist, sondern eine Branche, die allen offensteht, die helfen möchten.


Text: Nadine Koberstein